„Leider gab es zu meiner Schulzeit solche Angebote noch nicht“
Freitag, 23. April 2010
Interview mit dem Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle über den Deutschen Gründerpreis für Schüler
Interview mit dem Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle zum Deutschen Gründerpreis für Schüler und zu den Themen Selbstständigkeit und Unternehmertum.
Herr Brüderle, Sie sind Kooperationspartner des Deutschen Gründerpreises, der bedeutendsten Auszeichnung für herausragende Unternehmer in Deutschland. Für wie wichtig halten Sie solche Auszeichnungen, um Themen wie Unternehmertum und Selbstständigkeit noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken?
Rainer Brüderle: „Unternehmertum und Selbstständigkeit sind elementare Bestandteile der Sozialen Marktwirtschaft. In Deutschland wagen allerdings noch zu wenige Menschen mit guten Ideen den Schritt in die Selbstständigkeit – vielleicht, weil sie Angst vor dem Scheitern haben. Diese Angst ist aber unberechtigt: Zum Unternehmer wird niemand geboren. Die Bereitschaft, unternehmerisches Risiko und Verantwortung zu übernehmen, kann und muss sich erst entwickeln. Wichtig für diese Entwicklung ist ein positives Unternehmerbild. Hier setzt der Deutsche Gründerpreis an: Er belebt Unternehmertugenden neu und setzt positive Nachrichten vom deutschen Unternehmer.“
Der Deutsche Gründerpreis wird unter anderem in der Kategorie Schüler verliehen. Hier werden Jugendliche in Form eines Existenzgründer-Planspiels auf spielerische Weise an die Themen Existenzgründung und Unternehmertum herangeführt. Waren Sie schon als Schüler am Thema Wirtschaft interessiert und hätten Sie am Deutschen Gründerpreis für Schüler teilgenommen? Wenn ja, warum?
Rainer Brüderle: „Mein Vater war selbstständiger Kaufmann. Deshalb habe ich schon in meiner Schulzeit Erfahrungen als „Nachwuchs-Mittelständler“ sammeln dürfen. Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, hätte ich diese Kenntnisse selbstverständlich gerne auch in Schülerwettbewerbe – wie z.B. den Deutschen Gründerpreis für Schüler – eingebracht. Leider gab es zu meiner Schulzeit solche Angebote aber noch nicht.“
Gerade bei jungen Menschen ist es wichtig, frühzeitig Interesse an der Wirtschaftswelt zu wecken. Initiativen wie der Deutsche Gründerpreis für Schüler geben Schülern die Möglichkeit, das Berufsleben hautnah aus der Perspektive eines Existenzgründers kennen zu lernen. Was macht den Deutschen Gründerpreis für Schüler Ihrer Meinung nach besonders?
Rainer Brüderle: „Der Deutsche Gründerpreis für Schüler bietet Schülerinnen und Schülern von heute eine moderne Plattform, um mit einer virtuellen Gründung Ideen und Pläne im Team auszuprobieren. Die Schülerinnen und Schüler können dabei ihre persönlichen Stärken und Schwächen erfahren. Durch das Engagement der Sparkassen wird ein flächendeckendes Beraternetz für die Jung-Unternehmer zur Verfügung gestellt. Dadurch ist sichergestellt, dass die ‘Bäume nicht in den Himmel wachsen’ und die Zukunftspläne Bodenhaftung behalten.“
Auch bei der vom BMWi gegründeten Initiative Unternehmergeist in die Schulen besteht das Anliegen, dass sich junge Menschen bereits im Schulalter mit selbstständigem, unternehmerischem Denken und Handeln auseinandersetzen. Was ist Aufgabe dieser Initiative?
Rainer Brüderle: „Eine Gründerkultur lässt sich nicht verordnen. Man kann sie aber fördern und unterstützen. Damit fangen wir in den Schulen an, indem wir gezielt Projekte fördern, die unternehmerisches Denken und Handeln in die Schulen tragen und für Selbstständigkeit und Unternehmertum werben. Um diese Aktivitäten zu bündeln und den Schulen auch ein transparentes und qualitativ hochwertiges Angebot zu machen, gibt es den Initiativkreis Unternehmergeist in die Schulen.“
Leider sind solche wirtschaftlichen Themen wie Existenzgründung, Unternehmertum bzw. Selbstständigkeit kein fester Bestandteil des Lehrplans deutscher Schulen. Woran kann es Ihrer Meinung nach liegen, dass das Thema noch nicht Lehrstoff aller allgemein bildenden Schulen ist?
Rainer Brüderle: „Die für Bildungsfragen zuständige Kultusminister-konferenz hat bereits vor Jahren die ökonomische Bildung als unverzichtbaren Bestandteil der Allgemeinbildung herausgestellt. Einige Länder haben diesen Appell aufgenommen und in ihren Schulen ein eigenes Schulfach Wirtschaft eingeführt – mit guten Erfolgen. Andere Länder decken wirtschaftliche Bildung nur über Fächer wie Erdkunde, Politik und Geschichte ab. Deshalb würde ich mir bundesweit allgemein verbindliche Rahmenrichtlinien wünschen.“
Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung von Initiativen wie dem Deutschen Gründerpreis für Schüler und Unternehmergeist in die Schulen?
Rainer Brüderle: „Das Interesse von Schülerinnen und Schüler an Wirtschaft ist erfreulich groß. Fast 80 Prozent der Jugendlichen meinen, unternehmerische Selbstständigkeit sollte stärker im Unterricht behandelt werden. Diese Forderung müssen wir weiterhin bedienen. Mit Angeboten wie dem Deutschen Gründerpreis und JUNIOR tragen wir das Thema Wirtschaft in die Schulen. Um ein nachhaltig positives Unternehmerbild – und damit gleichzeitig die Bedeutung von Unternehmen für unsere Volkswirtschaft – praktisch zu vermitteln, werden wir die Initiativen zum Unternehmergeist in die Schulen weiter ausbauen.“
