Archiv für März 2009

„Kreativität und Begeisterung wirken ansteckend“ – Staatssekretär Andreas Storm im Interview

Freitag, 27. März 2009
Andreas Storm - Parlamentarischer Staatssekretär

Andreas Storm - Parlamentarischer Staatssekretär und Coach beim Deutschen Gründerpreis für Schüler

An der Dieburger Alfred-Delp-Schule nehmen 24 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 beim Deutschen Gründerpreis für Schüler Teil. Die Unternehmensgründer haben prominente Unterstützung: Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, steht ihnen zur Seite. Wir haben mit dem 44-jährigen CDU-Bundestagsabgeordneten über sein Engagement gesprochen.

Wieso engagieren Sie sich beim Deutschen Gründerpreis für Schüler?
Der Wettbewerb fördert auf spannende Weise das Verständnis der Schülerinnen und Schüler für wirtschaftliche Zusammenhänge. Er ist damit ein hervorragender Beitrag zur Berufs- und Studienorientierung der Jugendlichen.
Wie oft hatten Sie mit den Schülern schon Kontakt?
Ich hatte bei einem Besuch in der Alfred-Delp-Schule die Gelegenheit zum ausführlichen gegenseitigen Kennenlernen. Dabei wurden auch die Projekte vorgestellt. Nun verfolge ich die Zwischenergebnisse im Internet und stehe selbst auch bei Fragen zur Verfügung. Nach Ostern ist eine weitere Besprechung in der Schule vorgesehen.
Wie können Sie die Teams konkret unterstützen?
Insbesondere bei konzeptionellen Überlegungen stehe ich mit Ratschlägen zur Verfügung.
Was hat Sie an den Projekten am meisten beeindruckt?
Die große Kreativität und Begeisterung wirken ansteckend. Dazu trägt auch die motivierende Begleitung des Lehrers wesentlich bei.
Und wo haben Sie noch Verbesserungsbedarf erkannt?
Manche Projektidee muss noch etwas stringenter durchdacht werden.
Wieso sind Wettbewerbe wie der Deutsche Gründerpreis für Schüler so wichtig?
Solche Wettbewerbe geben den Schülerinnen und Schülern eine hervorragende Möglichkeit, auf kreative Weise ökonomische Zusammenhänge zu lernen und wesentliche Impulse für die eigene Lebensplanung zu bekommen. Das ist gerade in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit überaus wichtig. Deshalb liegt mir die Unterstützung dieser Aktion besonders am Herzen.

Unterstützung durch einen Vollprofi

Sonntag, 22. März 2009
Team Freelectric

Team Freelectric

Gestern haben wir mit euch ja bereits einen Ausflug in den nordrhein-westfälischen Kreis Minden-Lübbecke gemacht. Heute wollen wir uns dort nochmals umschauen – und euch das Team Freelectric vorstellen, welches aus fünf Jungs besteht: Alexander und Andreas Heßler (17), Andreas Husemeyer (18), Benedikt Olek (18) und Tobias Kleffmann (18).

Ihre Geschäftsidee: kabellose Stromübertragung, beruhend auf der Witricity-Technologie. „Das Prinzip ist simpel“, erklärt Tobias, „eine Sendeeinheit ist am Netzstrom angeschlossen und versorgt eine Empfangseinheit mit Strom.“ Diese Empfangseinheiten seien beispielsweise in Handys oder Herzschrittmacher integriert, um die Akkus dieser Geräte kabellos aufzuladen. Die Stromversorgung der Empfangsgeräte ist in einem Umkreis von etwa vier Metern möglich. Auch bei der Stromversorgung von Notebooks oder Haarföhnen könnte die Technologie zum Einsatz kommen.

Alle fünf Teammitglieder besuchen die Jahrgangsstufe 12 des Wittekind Gymnasiums in Lübbecke, einer beschaulichen Kleinstadt mit etwa 30000 Einwohnern am Rande des Wiehengebirges. Das Team hat in einer leicht veränderten Zusammensetzung schon mal beim Deutschen Gründerpreis für Schüler teilgenommen. „Da wir letztes Jahr aber erst zwei Tage vor Anmeldeschluss vom Wettbewerb erfahren haben, konnten wir uns nur noch sehr kurzfristig anmelden“, erinnert sich Tobias. Dann sei alles Knall auf Fall gegangen. Daraus habe man gelernt: „Dieses Jahr möchten wir uns die Arbeit durch bessere Planung und Organisation erleichtern.“

Eine große Hilfe für das Team ist der Betreuer. Die fünf Jungs werden von keinem Lehrer unterstützt, sondern vom Vater eines Teammitglieds – dem Geschäftsführer einer erfolgreichen Unternehmensberatung. „Bedingt durch die familiäre Anbindung an ein Teammitglied ist unser Coach fast immer sehr schnell erreichbar“, erklärt Tobias. Da er in seinem Job natürlich sehr eingespannt sei, müssten Termine dennoch sehr langfristig geplant werden. „Doch auch diese Herausforderung können wir dank moderner Terminverwaltung und Telekommunikation gut meistern“, berichtet Tobias. Und wie alle teilnehmenden Teams aus Minden-Lübbecke können die fünf Jungs auch auf die Unterstützung durch Frank Rehorst von der Sparkasse zählen – den sie „den guten Geist des Spiels“ nennen.

Die Wiederholungstäter aus Minden-Lübbecke

Samstag, 21. März 2009

Romina Pollack (links) und Anne Paulsen (rechts)

Minden-Lübbecke – ganz im Norden von Nordrhein-Westfalen gelegen – ist ein besonderer Landkreis: Denn in wenigen Gegenden Deutschlands ist die Gründerpreis-Begeisterung so groß wie hier. In diesem Jahr machen dort in 31 Teams insgesamt 127 Schüler mit. Alleine an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule in Minden sind 16 Teams dabei – und alle werden von einem Lehrer betreut: Ingmar Münther.

Romina Pollack und Anne Paulsen haben schon mehrmals beim Deutschen Gründerpreis für Schüler mitgemacht. Dieses Mal sind die beiden 19-Jährigen mit ihrem Unternehmen SUE Electronics GmbH & Co. KG am Start. Die Idee dahinter: ein TFA-Infrarot-Sensor mit Kleintiererkennung, der passive Stromverbraucher im Raum erkennt und automatisch ausschaltet – also beispielsweise den Fernseher im StandBy-Modus. „Das Besondere daran ist die komplexe Zusammenstellung unserer Produkte in Verbindung mit individueller Dienstleistung“, erklärt Romina, „unser Ziel ist es, den unnötigen Stromverbrauch zu reduzieren und somit die Umwelt und die Geldbörsen unserer Kunden zu schonen.“

Die beiden haben lange überlegt, ob sie nochmals mitmachen sollen. Denn sie stecken mitten in der Prüfungsphase. „Da wir aber beim letzten Mal so knapp am Ziel vorbei gelaufen sind, wollen wir die Chance, es noch einmal besser zu machen, nicht verpassen“, so Romina. Aus den bisherigen Teilnahmen habe man sehr viel mitgenommen.

Über ihren Betreuer sind beide voll des Lobes: „Er hat uns immer geholfen und sich Zeit genommen, alles ganz genau mit uns zu besprechen.“ Und wenn es mal einen Durchhänger gegeben habe, sei Herr Münther immer sehr motivierend gewesen. Aber es gibt auch noch andere Unterstützung: Frank Rehorst von der Sparkasse Minden-Lübbecke. „Es gab Tage, da sind wir in seinem Büro ein- und ausgegangen“, erinnern sich Romina und Anne. „So manches Mal hatte er bestimmt Wichtigeres zu tun gehabt, aber Herr Rehorst hat sich immer Zeit genommen, uns zugehört und versucht, uns bei Problemen zu helfen!“
Wir hoffen natürlich, dass alle 1217 Teams auf so tolle Unterstützung zählen können!

Mein Freund, der Kühlschrank

Donnerstag, 19. März 2009
Das Team von KÜHLI electronics

Das Team von KÜHLI electronics

In Zukunft wollen wir euch hier im Blog auch einige Teams und ihre Unternehmens-Ideen vorstellen. Wenn ihr selber dabei sein wollt, commentet einfach und wir werden euch kontaktieren. Den Anfang macht heute die: KÜHLI electronics aus Niedersachsen.

Kühlschränke sind eine praktische Erfindung. Vor allem, wenn sie gut gefüllt sind. Wenn man aber das Einkaufen vergessen hat, ist das ziemlich schlecht. Und wohl jeder hat schon mal den Kühlschrank geöffnet und dann gemerkt, dass das Objekt seiner Begierde aus ist: der Lieblingsjoghurt, die Milch für den Kakao, die Marmelade. Und meistens sind gerade dann alle Läden zu.

Sechs Mädels aus Niedersachsen wollen da nun Abhilfe schaffen: Rebecca, Laura, Katharina, Marlena, Melanie und Kim Svenja besuchen den Wirtschaftszweig des Fachgymnasiums Nienburg BBS. Die 17- und 18-Jährigen machten sich im Rahmen eines Kursprojekts Gedanken über ihre Projektidee: ein Kühlschrank, der einem sagt, wie viel von einem Produkt noch da ist, und was gekauft werden muss.

„Wir wollten etwas machen, das alltagstauglich ist“, erklärt Teamleiterin Rebecca. Deshalb habe sich ihre Firma KÜHLI electronics zur Aufgabe gemacht, ein System für Kühlschränke zu entwickeln, welches alle Ein- und Ausgänge erfasst und so eine schnelle Bestandsaufnahme ermöglicht. „Auch wenn die ganze Sache ziemlich aufwändig ist und wir unsere Freizeit opfern müssen, macht es doch sehr viel Spaß“, berichtet Rebecca. Die große Frage bei dem Projekt ist natürlich, wie die technischen Möglichkeiten sind, das Ganze umzusetzen. Wir sind schon sehr gespannt! Und würden uns natürlich auch als Tester anbieten. Denn das Problem des leeren Kühlschranks kennen wir nur all zu gut… :)

Damit es in eurem Team rund läuft : Tipps von einem Experten

Montag, 09. März 2009
Michael Thoma - Schulpsychologe

Michael Thoma Schulpsychologe

Wir haben schon mehrmals darauf hingewiesen: Teamfähigkeit wird beim Deutschen Gründerpreis für Schüler ganz groß geschrieben! Doch im zwischenmenschlichen Miteinander kann es immer wieder mal knirschen – gerade in stressigeren Situationen. Wie könnt ihr mit eurem Team solche Klippen umschiffen – darüber haben wir mit Michael Thoma gesprochen. Der 40-Jährige arbeitet in Oberbayern als Schulpsychologe.

Wie muss man im Team zusammenarbeiten, damit Konflikte von vornherein vermieden werden?

Michael Thoma: Zunächst ist es wichtig, dass man sich in der Formierungsphase kennen lernt und sich über die gemeinsamen Ziele und Aufgaben verständigt. Die zweite Phase eines Gruppenprozesses ist die Konfliktphase. Hier sollte die Gruppe durchaus Meinungsverschiedenheiten zulassen und sich sachlich austauschen. Wichtig in dieser Phase ist, dass man jedem Gruppenmitglied genug Zeit einräumt, seine Meinung darzustellen, auch wenn sie nicht sofort mehrheitsfähig ist. In der dritten Phase, der Normierungsphase, sollten die Rollen und Aufgaben klar verteilt werden. Auch die zeitliche Planung bzw. Struktur muss hier für und von allen Gruppenmitgliedern klar festgelegt, also normiert werden. Schließlich kommt die Gruppe in die Leistungsphase, in der dann endlich zielorientiert gearbeitet wird.

Das klingt in der Theorie gut. Aber wenn dann doch mal die Fetzen fliegen – wie geht man damit um?

Michael Thoma: „In einer Küche, in der es nicht raucht, wird auch nicht gekocht“. In diesem Sinne sind Konflikte durchaus erwünscht, wenn man sie als Entwicklungsaufgabe für die Gruppe sieht. Das heißt, dass eine Gruppe meist an ihren Problemen und Lösungen „wächst“ und sich das Wir-Gefühl immer besser entwickelt. Auch ist es wichtig, dass man immer wieder reflektiert, ob einzelne – eventuell selbsternannte –  „Gruppenführer“ die Gruppe zu stark beeinflussen oder gar dominieren und das Ergebnis der Arbeit so einseitig wird. Bei Streitigkeiten kann mit der „Blitzlichtmethode“ Raum für freie Meinungsäußerung geschaffen werden.

Wie funktioniert diese Methode?

Michael Thoma: Die „Blitzlichtmethode“ hat sich gut bewährt. Jeder hat beispielsweise drei Minuten freie Redezeit, ohne dass man ihn oder sie unterbrechen darf. Durch aktives Zuhören und Nachfragen im Anschluss an die Blitzlichtrunde erfährt man dann mehr darüber, wie die einzelnen Gruppenmitglieder zu ihrer Meinung kommen und wo genau die Abweichungen liegen. Diese Informationen helfen dann bei der Lösung des Konflikts.

Wenn man sich im Team unwohl oder unverstanden fühlt, sollte man dann offensiv mit den anderen darüber reden?

Michael Thoma: Lieber „offen“ als „offensiv“ mit den anderen darüber reden! Wichtig sind hier das richtige Timing für das „Frustabladen“ und natürlich der richtige Ton. Beschuldigungen und Beleidigungen sind kontraproduktiv und sollten besser durch klare „Ich-Botschaften“ ersetzt werden, die die eigenen Emotionen ausdrücken, zum Beispiel „Ich bin jetzt echt richtig sauer, weil ich das Gefühl habe, ausgeschlossen zu werden!“ oder zum Beispiel „Unsere Teamarbeit würde mir ehrlich gesagt mehr Spaß machen, wenn ich das Gefühl hätte, dass meine Meinung auch zur Kenntnis genommen wird!“ Je ruhiger man dabei bleiben kann, umso wahrscheinlicher wird man gehört – und bitte immer vermeiden, die Konflikte hinter dem Rücken eines anderen zu thematisieren!

Im Wettbewerb arbeitet das Team an einer gemeinsamen Geschäftsidee. Da ist viel Kreativität und Engagement gefragt – und das kann sehr stressig sein. Wie wichtig ist es, nebenbei auch noch gemeinschaftliche Freizeiterlebnisse zu haben?

Michael Thoma: Hier gilt der gleiche Grundsatz wie fast überall im Leben: Mman sollte die richtige Mischung finden! Gemeinschaftliche Freizeiterlebnisse stärken das Wir-Gefühl, also den Gruppenzusammenhalt. Auch ist es wichtig, die anderen Gruppenmitglieder durchaus mal von einer anderen Seite zu erleben und dort zum Beispiel eine kreative Seite bei Jemandem zu entdecken, den man bisher im Team eher als „starr und konservativ“ eingeschätzt hat.

Wenn die Teammitglieder merken, dass sie Meinungsverschiedenheiten nicht mehr alleine regeln können, wo sollten sie dann Rat holen?

Michael Thoma: Es ist keine Schande für die Gruppe, sich auch mal Rat bei Erwachsenen zu holen. Das gilt beim Deutschen Gründerpreis für Schüler genauso wie im normalen Alltag. Eltern, Lehrer, Projektbegleiter, Stufenbetreuer, Vertrauenslehrer, Beratungslehrer oder Schulpsychologen werden oft gerne um Rat gefragt, wenn es um Gruppenaktivitäten und damit verbundene Aufgaben oder Probleme geht. Sie liefern meist neutrale Sichtweisen, die Probleme neu beleuchten und dadurch manchmal auch lösen können. Ideal ist es, wenn die Gruppe gemeinsam nach Rat fragt und nicht Einzelne sich „ältere Verbündete“ suchen, nur um ihren eigenen Standpunkt durch eine externe Meinung zu bestärken.